Bericht über West Texas von Irma Morris

West-Texas Teil 1 bis 13
 
Dass es in Westtexas nichts, aber auch gar nichts zu sehen gibt, wird mir von meinem Mann immer wieder versichert.  Und er müsste es ja eigentlich wissen, arbeitete er doch ein ganzes Jahr in einem Städtchen in West-Texas als er noch jung war.  Ich hatte aber schon einen kleinen Teil von Westtexas früher einmal bereist und fand die Gegend interessant.  Dieses Mal hatte ich zwei ganz bestimmte Ziele vor Augen:  Erstens wollte ich das Städtchen Alpine besuchen, weil dort das Klima wegen der Höhenlage auch in der Sommerhitze erträglich sein soll und zweitens wollte ich das Rätsel der misteriösen Lichter ausserhalb von Marfa ein für allemal "abklären".  
 
Um uns die lange Anfahrt zu ersparen, flogen Frank und ich mit dem Flieger die 528 Kilometer von Dallas nach Midland/Odessa, und mieteten dort am Flughafen ein Auto.
 
 
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Nach einem schnellen Mittagessen ging's auf dem Highway 20 an Midland und Odeassa vorbei westwärts.  Diese beiden Städte zählen je etwas über 100,000 Einwohner und sind seit den 1920er Jahren das Zentrum der Ölindustrie von Westtexas.   In Midland ist aber auch unser jetziger Präsident, George Bush, zur Schule gegangen und hier fand er seine bezaubernde Frau Laura.
 
 
 
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 Ein riesiger Güterzug kam uns entgegen.  Aber sonst ist die Gegend eher monoton und nur die fleissig arbeitenden Ölpumpen in den Feldern auf beiden Seiten des Highways bringen etwas Abwechslung fürs Auge.  In Monahans verliessen wir den Highway 20 und fuhren auf der Strasse 18 südlich nach Fort Stockton und von dort ging's ein paar Kilometer westlich auf dem Highway 10, um dann auf der Strasse 67 wieder südlich zu reisen.  Diese Gegend von Texas wird der Trans-Pecos genannt und ist die trockenste Region unseres Staates mit einem Durchschnittsniederschlag von 254 mm bis 305 mm Regen jährlich.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Die mager aussehende Pflanze auf dem Foto oben ist ein Ocotillo (Fouquieria splendens).  Viele Leute denken, diese Pflanze gehöre zu der Familie der Kakteen, weil sie unter denselben Bedingungen gedeiht, aber es ist ein Busch aus weichem Holz.  In einem trockenen Klima wie hier hat der Ocotillo keine Blätter, aber sobald es nur ein bisschen regnet und die Luftfeuchtigkeit steigt, spriessen Blätter. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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 Der Ocotillo blüht von April bis Juni und die Blüte ist von brilliantem Rot.  Die Dornen an den Stämmen sind lang und tückisch.  Vielerorts werden Ocotillos in Reihen angepflanzt was dann wegen der Dornen eine Art Sicherheitsumzäunung gibt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Weiter ging es nach Süden.  Die Strasse schien endlos und fast schnurgerade.  Nur selten kam uns ein Auto entgegen.  Am frühen Abend kamen wir endlich in Alpine an.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der Name Alpine erinnert an die Alpen und die Lage ist wirklich etwas alpin mit fast 1400 Meter über Meer.  Das erklärt das angenehme Klima, denn obwohl es hier sehr heiss wird im Sommer- bis zu 40 Grad Celsius und mehr- ist die Hitze erträglich wegen der niedrigen Luftfeuchtigkeit und weil es nachts jeweils empfindlich abkühlt.
 
 
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 Alpine ist der Hauptsitz des Brewster County.   Texas ist in 254 Counties unterteilt und jedes County hat ein Courthouse. Ein County ist ein politischer Bezirk oder eine Gemeinde und das Courthouse ist das Verwaltungsgebäude oder das Gemeindehaus des jeweiligen Bezirkes.   Die Texaner sind sehr stolz auf ihre Courthouses und die meisten sind liebevoll restauriert worden in den vergangenen Jahren. Mit 17'000  Quadratkilometern ist Brewster County der grösste Bezirk in Texas, grösser als der Bundesstaat Connecticut.  Im ganzen Bezirk wohnen, gemäss meinem Texas Almanac, 9009 Menschen, wovon 5848 in Alpine zu Hause sind.  Hier auf dem Bild ist das Courthouse von Alpine, das 1887 gebaut wurde. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Diese Haubitze steht neben dem Courthouse und wurde im Zweiten Weltkrieg im Kampf um den Rapido River in Salerno, Italien eingesetzt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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 Gegenüber des Courthouses entdeckte ich diesen blühenden Busch.  Es ist ein Bird-of-Paradise (Caesalpinia oder Poinciana gilliesii).  Die Pflanze kommt ursprünglich aus Südamerika, aber offensichtlich sind die Bedingungen hier perfekt, denn inzwischen wächst sie hier wild.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Die attracktiven Blumen blühen während langer Zeit.  Allerdings aus der Nähe hat der Busch einen eher unangenehmen Geruch.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Heute Abend war es nun soweit: Frank und ich wollten nach Einbruch der Dunkelheit die berühmten Lichter von Marfa sehen.  Oder vielleicht sollte ich sagen, dass wir uns davon überzeugen wollten, dass es sie nicht gibt. 
 
Diese rätselhaften Lichtkugeln wurden zum ersten Mal im Jahre 1883 dokumentiert, aber die Indianer wussten schon lange vorher davon.  15 Kilometer westlich von Alpine, an einem bestimmten Punkt, würden die Lichter weit draussen am Horizont erscheinen.  Angeblich sollen sie von verschiedener Farbe sein, herumtanzen, sich spalten, verschwinden und wieder erscheinen.  Es gibt verschiedene Theorien über diese Lichter:  Die Indianer dachten, es seien Sterne die zur Erde fallen.  Manche Beobachter schwören, es wären UFOs, Lichter eines Ranchhauses, ein St.Elmos Feuer oder einfach der Scheinwerfer eines Autos.  Manche glauben, die Lichter seien elekrostatische Entladungen, Sumpf Gase oder Geister die nach Gold suchten.
 
Als Frank und ich dort ankamen, waren nur etwa ein halbes Dutzend Beobachter dort, aber wir hörten schon von Weitem, dass sie sehr aufgeregt waren.  Sie deuteten an den Horizont und richtig: Da, weit, weit draussen, waren Lichterkugeln, die auf und ab tanzten, verschwanden und wieder erschienen.  Ich traute meinen Augen nicht und sah Frank fragend an.  Er zuckte mit den Achseln und dachte wohl dasselbe wie ich, nämlich dass es sehr wohl eine sehr starke Lampe oder ein Autoscheinwerfer sein könnte.   Aber wie konnten sie dann so am Himmel herumtanzen?  Während wir noch dastanden, erschien plötzlich am Himmel ein riesiges, langes, orange-rotes Licht wie ein Blitz, nur eben horizontal und viel dicker.  Es bedeckte einen grossen Teil des nächtlichen Himmels während etwa zwei Sekunden.  Ich schaute Frank an und fragte: "Hast Du gesehen was ich gesehen habe?"   Nun schauten wir beide ratlos drein, denn so ein riesiges Licht künstlich zu fabrizieren, erschien uns unmöglich.  Wir entschieden uns dafür, dass es so etwas Ähnliches wie ein Nordlicht sein müsste.   Vielleicht tatsächlich eine elektrostatische Entladung, da es während des Tages so heiss war und nachts so sehr abkühlte?
 
Ich nahm mir vor, am nächsten Tag vorbeizukommen und mir die Gegend bei Tageslicht anzuschauen. 
 
 
 
 
West-Texas, Teil 3
 
 
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Am nächsten Tag war ich schon vor Morgengrauen auf und  wurde prompt kurze Zeit später mit einem herrlichen Sonnenaufgang belohnt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Die hübschen Blümchen wuchsen gleich neben dem Hotelparkplatz.  Es sind Primrosen und sie gedeihen an Strassenrändern, in Prärien, Waldlichtungen und Wiesen und blühen von März bis Juli. Die Blumen öffnen sich am späten Nachmittag und bleiben bis zum nächsten Morgen oder, wenn der Himmel bedeckt ist, bis zum Mittag geöffnet. Sie gehören zu den Lieblingsblumen der Bienen, Nachtfalter und Kolibris.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Nach dem Frühstück ging es weiter Richtung Marfa.  Das auf dem Bild oben ist eine Windmühle zum Grundwasser pumpen.  Man sieht sie sehr oft in Texas, vor allem aber natürlich in Westtexas wo es so wenig Niederschlag gibt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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 Und hier ist das Gebäude am Strassenrand, von dem aus Frank und ich die Nacht zuvor die geheimnissvollen Lichter gesehen hatten.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Ich schaute nochmals in die Richtung in der wir weit draussen die Erscheinungen am Himmel gesehen hatten, aber da war nichts ausser dem kleinen, weissen Hütchen. Keine Ranch, keine Strasse, nichts.  Tatsache ist dass ich das Rätsel der mysteriösen Lichter auch nicht lösen konnte. 
 
 
 
 
 
 
 
West-Texas Teil 4
 
 
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Die Pronghorn Antilope kommt im westlichen Teil von Texas vor, vor allem hier im Trans-Pecos.  Diese Hirsch-ähnlichen Tiere können lange Zeit ohne Wasser auskommen, da sich ihr Körper an die Bedingungen hier angepasst hat und Wasser konservieren kann.   Beide Geschlechter haben Horne, aber beim Weibchen sind sie ganz kurz und nicht gegabelt.  Eine interessante Eigenschaft der Pronghorn Antilope ist, dass sie sehr neugierig sind, wie man auf dem Foto oben erkennen kann.  Obwohl ich aus dem Auto stieg und langsam näher trat, um ein besseres Foto zu machen, standen sie nur da und beobachteten mich.  Später las ich dann, dass sie vor allem an Objekten, die sich bewegen, interessiert sind.  Das ist ihnen schon oft zum Verhängnis geworden, denn die Indianer - und auch die heutigen Jäger - können sich hinter einem Busch verstecken und langsam ein Taschentuch hin- und herschwenken und schon kommen sie näher, um die Sache zu erkunden.  Allerdings können sie mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 Stundenkilomer wegrennen.

 
 
 
 
 
 
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 Die sympathische Kleinstadt Marfa, etwa 40 Kilomenter westlich von Alpine, ist der Hauptsitz von Presidio County.  In der ganzen Gemeinde wohnen 7681 Menschen, davon allein 2078 in Marfa.  Da Marfa 1600 Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist das Klima hier sehr angenehm, auch im heissesten Sommer. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Auf dem Bild oben ist das wunderschöne Courthouse zu sehen, das eines der best erhaltenen in Texas ist.  Gebaut wurde es 1886, aber erst kürzlich wurde es total renoviert.  Tatsächlich nehmen Reisende lange Umwege in Kauf, um das majestätische Gebäude zu bewundern
 
 
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 Zuoberst auf dem Dom stehen die Göttin der Gerechtigkeit und dahinter ein Blitzableiter.  In der Hand hält sie ein gebrochenes Schwert.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Auf dem Rasen vor dem Courthouse ist eine Tafel zur moralischen Unterstützung der Soldaten und ihrer Angehörigen aus der Umgebung aufgestellt. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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 Und neben dem Courhouse ist dieses Erinnerungsdenkmal für diejenigen, die ihr Leben verloren haben im World Trade Center am 11. September 2001.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
West-Texas, Teil 5
 
 
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Das ist die First Christian Church in Marfa, die am 18. April 1926 eingeweiht wurde.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Die aus Baumstämmen geschnitzten Bänke neben der Kirche fand ich bemerkenswert.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Auf dem obigen Foto ist das Hotel Paisano abgegebildet, denn Marfa ist vor allem eine Pilgerstätte für Filmfans.  Hier wurde der bekannteste Film über West-Texas gedreht, nämlich der Klassiker "Giganten" mit James Dean, Elizabeth Taylor und Rock Hudson, der 1956 in die Kinos kam.  Die Stars wohnten während der Dreharbeiten im Hotel Paisano an der Highland Avenue mitten im Ort. 
 
 
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Ich hatte erwartet, dass die Wände der hübschen Eingangshalle des Hotels mit alten Fotos aus der Filmzeit voll gehängt sein würden. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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 Dem war aber nicht der Fall.  Die alten Fotos, manche mit den Autogrammen der Filmstars, hingen in einem kleinen Raum daneben.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Das ist der Swimmingpool des Hotels Paisano.
 
West-Texas, Teil 6 von 13 Teilen
 
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Von Marfa ging es dann weiter auf der Strasse 17 nördlich nach Fort Davis, dem Hauptsitz von Jeff Davis County.  2211 Menschen wohnen in dieser Gemeinde, wovon 1098 in Fort Davis leben.
 
Mescalero Apachen lebten hier als Antonio de Espejo die Gegend auskundschaftete 1583.  Die U.S. Army errichtete Fort Davis 1854 zum Schutze der Siedler gegen indianische Angriffe und um die Strecke von San Antonio nach El Paso zu sichern.   Nach dem Bürgerkrieg wurde das Fort aufgegeben, aber 1867 kehrten Regierungstruppen zum Wiederaufbau zurück.  Heute umfasst die Anlage restaurierte Lehmbauten mit interessanten Museen.  Fort Davis ist das am schönsten gelegene Fort in Texas.
 
Das Courthouse auf dem obigen Foto wurde 1910 gebaut.
 
 
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Gleich neben dem Courthouse entdeckte ich das frühere 4-Zellen Gefängnis, das heute die öffentliche Bibliothek beherbergt.
 
 
 
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Weiter fuhren wir, immer noch auf Strasse 17, nördlich nach Balmorhea.  Frank und ich waren vor Jahren einmal durch Balmorhea gefahren und hatten hier in einem kleinen, unscheinbaren Restaurant am Strassenrand zu Mittag gegessen.  Seither hatte Frank von dem feinen Essen geschwärmt und es war absolut klar, dass wir dasselbe Restaurant besuchen mussten.  Wir hatten es zeitlich so eingerichtet, dass wir Mittags dort ankommen würden.  Das Wasser lief uns im Munde zusammen, wenn wir nur schon an die feine Mahlzeit dachten, die wir bald erhalten würden.  Wir hatten absichtlich nur ganz wenig gefrühstückt in Erwartung des feinen Essens.  Und richtig - um die Mittagszeit kamen wir dort an und Frank fand auch ohne Umschweife das Gebäude.  Aber oh Schreck - es war geschlossen, verfallen, vernachlässigt...........   Wir schauten wirklich dumm drein, hungrig und enttäuscht.  Was nun?  "Nur nicht verzagen", tröstete ich Frank, "wir sind beinahe am Interstate 10 und da hat es ganz sicher ein Restaurant." 
 
Nach ein paar Minuten kamen wir zum Interstate 10 aber da war weit und breit kein Restaurant.  Halb so schlimm, redeten wir uns ein, 40 Kilometer westlich von hier kommen Interstate 10 und Interstate 20 zusammen und da sind ohne Zweifel mehrere Restaurants.  Aber nein - da war noch einmal nichts, aber auch gar nichts - kein Gebäude, kein Verkaufsstand, keine Seele. 
 
Nun waren wir schon richtig schwach und vor lauter Hunger bei schlechter Laune.  Aber 25 Kilometer westlich von hier war der kleine Weiler Kent auf meiner Karte eingezeichnet.  Da würden wir bestimmt irgend etwas zum Essen finden, auch wenn es nur ein kleines Lädeli wäre wo wir ein bisschen Brot und etwas zum Trinken kaufen könnten.  Die Menschen dort mussten ja schliesslich auch essen!  Jedoch die gleiche hoffnungslose Szene erwartete uns:  Nur ein paar verfallene Gebäude, keine Seele weit und breit und ganz sicher nichts zu essen ausser Unkraut und ein paar Kakteen am Strassenrand.
 
 
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Von Kent fuhren wir südlich auf der Strasse 118.   Es war mitten am Nachmittag und bis zurück nach Fort Davis war es bestimmt eine Stunde Autofahrt.  Die Gegend war interessant, aber wir konnten sie nicht geniessen mit unserem leeren Magen.  Und inzwischen hatten wir noch andere Bedenken:  Wir hatten ja noch kein Zimmer für die kommende Nacht und wenn es so schwierig war ein Restaurant zu finden in dieser Gegend, wie konnten wir dann eine Unterkunft finden?  Natürlich, im Notfall konnten wir nach Alpine zurückfahren und im gleichen Motel übernachten wie die Nacht zuvor.
 
West-Texas, Teil 7 von 13 Teilen
 
 
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Vor Jahren hatten Frank und ich einmal auf der Prude Ranch übernachtet und es hat uns ausgezeichnet gefallen.  Die Prude Ranch liegt nur ein paar Kilometer ausserhalb von Fort Davis an der Strasse 118.  Zu unserer grossen Erleichterung hatten sie noch ein freies Zimmer.
 
Grossmutter Prude kam vor mehr als 100 Jahren mit ihren Eltern nach Fort Davis.  1896 heiratete sie Andrew G. Prude und zusammen gründeten sie die Prude Ranch.  John G. "Big Spurs" Prude war die zweite Generation auf der Prude Ranch.  Er ritt während mehr als 90 Jahren jeden Tag auf der Ranch herum, um nach dem Rechten zu sehen.  
 
John Robert and Betty Prude, die dritte Generation, dachten  sich 1951 ein Programm aus,  wonach Knaben und Mädchen Ranch- Aktivitäten und -Kameradschaften geniessen konnten.  Die vierte und fünfte Generation Prude half, das Programm weiter zu entwickeln, so dass Erwachsene und Kinder diesen speziellen Platz in den Davis Mountains geniessen konnten. 
 
 
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So sehen die kleinen Gästehäuschen aus.  Frank und ich hatten ein Zimmer in demjenigen oben auf dem Foto.  Dieses Häuschen hatte drei separate Räume mit separatem Eingang. 
 
 
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Die Zimmer sind gross, aber eher einfach möbiliert.
 
 
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Fernsehen und Telefon gibt es nicht in den Gästezimmern, aber natürlich hat jedes Zimmer auch ein eigenes Badezimmer.
 
 
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Das ist die Aussicht von der kleinen Veranda unseres Zimmers.
 
Allerdings gab es um diese Tageszeit nichts zu essen auf der Prude Ranch, denn nicht nur musste man die Mahlzeiten  zum Voraus bestellen, auch wurde zwischen den Mahlzeiten nicht gekocht.  So mussten wir halt wieder ins Auto steigen und nach Fort Davis fahren.  Inzwischen war es später Nachmittag und wir hatten nicht viel Hoffnung auf eine extravagante Mahlzeit (falls es so etwas in Fort Davis überhaupt je gab), aber wir entdeckten einen Hamburgerstand und noch nie hatte ein Hamburger mit French Fries (Pommes Frites) so gut geschmeckt!
 
West-Texas, Teil 8 von 13 Teilen
 
Zurück auf der Prude Ranch blieb mir dann noch genügend Zeit, vor Sonnenuntergang ein bisschen herumzuspazieren.
 
 
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Auf dem Foto oben ist das alte Ranchhaus, in dem John Robert Prude und seine Frau Bettiann wohnen. 
 
 
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Das ist John Robert Prude.   Er hatte sich mir ein paar Minuten vorher vorgestellt, meine Hand geschüttelt und mich gefragt ob ich auch wirklich alles hätte um meinen Aufenthalt auf seiner Ranch angenehm zu machen und wenn ich irgend etwas benötigte, sollte ich es ihm nur sagen.  "Das Klima auf der Ranch ist so viel angenehmer als sonstwo in Texas," erklärte er mir, "weil wir 1600 Meter über der Meereshöhe sind und die Nächte fast immer kühl sind"
 
Später erfuhr ich dann, dass seine drei Söhne und die Tochter alle in der Nähe wohnen und oft auf die Ranch kommen um auszuhelfen.   Aber geführt wird die Ranch von seiner Enkelin Kelly Prude.
 
John R. Prude hatte gute und schlechte Zeiten erlebt auf seiner Ranch.  "Es gab (finanzielle) Kämpfe und Stress, aber die guten Tage sind zu zahlreich als dass ich sie zählen könnte."
 
 
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Das patriotisch bemalte Gebäude fand ich bemerkenswert.
 
 
 
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Das ist die Nurse's Station, das Häuschen in dem eine Krankenschwester die verletzten oder kranken Ranch Arbeiter oder Gäste pflegt.
 
West-Texas, Teil 9 von 13 Teilen
 
 
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Oben auf dem Bild ist eine Century Plant (Agave americana) abgebildet.  
 
 
 
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Aus den dicken, blau-grünen Blättern am Boden wächst nach 10 bis 20 Jahren (nicht nach hundert Jahren wie der Name vermuten würde) ein riesiger Spargel-ähnlicher Stengel, der während mehreren Wochen grünlich-gelbe Blumen zur Schau stellt.  Danach stirbt die Pflanze.
 
 
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Die Pflanze oben ist eine Red Hot Poker (Kniphofia uvaria).  Sie stammt ursprünglich aus Süd-Afrika, aber hat sich hier im Südwesten der USA sehr angepasst.
 
 
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Die Blüte sieht aus wie ein Feuerhaken den man in heisser Kohle gelassen hat bis er rot war, deshalb der name Red Hot Poker (roter heisser Feuerhaken).  Die Kolibris lieben diese Blumen.
 
 
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Dieser kleine rote Vogel ist ein Vermilion Flycatcher (Pyrocephalus rubinus).  Ich hatte schon vor einigen Monaten an einem anderen Ort in Texas versucht, ein Foto von ihm aus der Nähe zu schiessen, aber es ist mir auch nach stundenlangem Warten und Hoffen nicht gelungen.  Nicht nur ist er klein, er ist auch sehr scheu.  Auf der Ranch hatte ich aber einen Garten gesehen, in dem es einen kleinen Unterstand hatte, speziell gemacht um Vögel zu beobachten.  Ich sagte mir, wenn ich morgens ganz früh aufstehen würde, könnte ich mich im Gebäude verstecken und ganz ruhig warten bis der hübsche Kerl näher käme.....
 
West-Texas, Teil 10 von 13 Teilen
 
 
Am nächsten Morgen war ich schon wieder früh auf denn - jetzt oder nie - war für mich die Gelegenheit gekommen, einen Vermillion Flycatcher zu fotografieren.  Ich schlich im Halbdunkel in den Blumengarten und dort in dem kleinen Unterstand wartete ich - mehr oder weniger geduldig - auf meinen kleinen, roten Vogel.
 
 
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Aber was sah ich denn da herumschwirren?  Ein Kolibri!   Das war eine freudige Überraschung, denn mit Kolibris hatte ich gar nicht gerechnet.  Auf dem Foto auf der linken Seite der Blüte des Red Hot Pokers, ist ein Black-Chinned Hummingbird (Archilochus alexandri) zu erkennen.  Er kommt von British Columbia im Westen von Kanada bis nach Mexiko vor.  In Texas trifft man ihn nur im westlichen Teil des Staates an.
 
 
 
 
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Frau Kolibri ruht sich auf einem Ast aus.
 
 
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Das ist der Vermilion Flykatcher.  Ich konnte gerade noch ein Foto von ihm schiessen, da hat er mich auch schon entdeckt und macht sich davon.  Sein Rücken, seine Federn und der Schwanz sind braun-schwarz, aber der Kopf und der Unterteil seines Körpers sind flammend rot.  Einer der spanischen Namen für diesen Vogel ist "brasita de fuego", oder "kleine Feuerkohle".  Er ist im Südwesten der USA bis hinunter nach Argentinien zu Hause.  Er sitzt gerne auf Ästen oder Umzäumungen,  von wo er dann plötzlich in die Luft hinaus schiesst um fliegende Insekten zu fangen.
 
 
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Die Arbeit auf der Ranch hatte natürlich schon lange begonnen.  Ich denke, dass diese Pferde zusammengetrieben und gesattelt werden, weil ein paar Gäste einen Morgenritt unternehmen wollten.  Auch war es Zeit fürs Frühstück im Speisesaal der Ranch, das wir natürlich am Abend vorher bestellt hatten.  Mr. Prude war schon im Speisesaal und begrüsste die Hereinkommenden mit seiner typisch texanischen Gastfreundlichkeit.
 

 

 

Irma Morris
Arlington, Texas
E-Mail:  morrisus@earthlink.net
Website:  http://home.earthlink.net/~morrisus

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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