Dem war aber nicht der Fall. Die alten Fotos, manche mit den Autogrammen der Filmstars, hingen in einem kleinen Raum daneben.
Das ist der Swimmingpool des Hotels Paisano.
West-Texas, Teil 6 von 13 Teilen
Von Marfa ging es dann weiter auf der Strasse 17 nördlich nach Fort Davis, dem Hauptsitz von Jeff Davis County. 2211 Menschen wohnen in dieser Gemeinde, wovon 1098 in Fort Davis leben.
Mescalero Apachen lebten hier als Antonio de Espejo die Gegend auskundschaftete 1583. Die U.S. Army errichtete Fort Davis 1854 zum Schutze der Siedler gegen indianische Angriffe und um die Strecke von San Antonio nach El Paso zu sichern. Nach dem Bürgerkrieg wurde das Fort aufgegeben, aber 1867 kehrten Regierungstruppen zum Wiederaufbau zurück. Heute umfasst die Anlage restaurierte Lehmbauten mit interessanten Museen. Fort Davis ist das am schönsten gelegene Fort in Texas.
Das Courthouse auf dem obigen Foto wurde 1910 gebaut.
Gleich neben dem Courthouse entdeckte ich das frühere 4-Zellen Gefängnis, das heute die öffentliche Bibliothek beherbergt.

Weiter fuhren wir, immer noch auf Strasse 17, nördlich nach Balmorhea. Frank und ich waren vor Jahren einmal durch Balmorhea gefahren und hatten hier in einem kleinen, unscheinbaren Restaurant am Strassenrand zu Mittag gegessen. Seither hatte Frank von dem feinen Essen geschwärmt und es war absolut klar, dass wir dasselbe Restaurant besuchen mussten. Wir hatten es zeitlich so eingerichtet, dass wir Mittags dort ankommen würden. Das Wasser lief uns im Munde zusammen, wenn wir nur schon an die feine Mahlzeit dachten, die wir bald erhalten würden. Wir hatten absichtlich nur ganz wenig gefrühstückt in Erwartung des feinen Essens. Und richtig - um die Mittagszeit kamen wir dort an und Frank fand auch ohne Umschweife das Gebäude. Aber oh Schreck - es war geschlossen, verfallen, vernachlässigt........... Wir schauten wirklich dumm drein, hungrig und enttäuscht. Was nun? "Nur nicht verzagen", tröstete ich Frank, "wir sind beinahe am Interstate 10 und da hat es ganz sicher ein Restaurant."
Nach ein paar Minuten kamen wir zum Interstate 10 aber da war weit und breit kein Restaurant. Halb so schlimm, redeten wir uns ein, 40 Kilometer westlich von hier kommen Interstate 10 und Interstate 20 zusammen und da sind ohne Zweifel mehrere Restaurants. Aber nein - da war noch einmal nichts, aber auch gar nichts - kein Gebäude, kein Verkaufsstand, keine Seele.
Nun waren wir schon richtig schwach und vor lauter Hunger bei schlechter Laune. Aber 25 Kilometer westlich von hier war der kleine Weiler Kent auf meiner Karte eingezeichnet. Da würden wir bestimmt irgend etwas zum Essen finden, auch wenn es nur ein kleines Lädeli wäre wo wir ein bisschen Brot und etwas zum Trinken kaufen könnten. Die Menschen dort mussten ja schliesslich auch essen! Jedoch die gleiche hoffnungslose Szene erwartete uns: Nur ein paar verfallene Gebäude, keine Seele weit und breit und ganz sicher nichts zu essen ausser Unkraut und ein paar Kakteen am Strassenrand.

Von Kent fuhren wir südlich auf der Strasse 118. Es war mitten am Nachmittag und bis zurück nach Fort Davis war es bestimmt eine Stunde Autofahrt. Die Gegend war interessant, aber wir konnten sie nicht geniessen mit unserem leeren Magen. Und inzwischen hatten wir noch andere Bedenken: Wir hatten ja noch kein Zimmer für die kommende Nacht und wenn es so schwierig war ein Restaurant zu finden in dieser Gegend, wie konnten wir dann eine Unterkunft finden? Natürlich, im Notfall konnten wir nach Alpine zurückfahren und im gleichen Motel übernachten wie die Nacht zuvor.
West-Texas, Teil 7 von 13 Teilen
Vor Jahren hatten Frank und ich einmal auf der Prude Ranch übernachtet und es hat uns ausgezeichnet gefallen. Die Prude Ranch liegt nur ein paar Kilometer ausserhalb von Fort Davis an der Strasse 118. Zu unserer grossen Erleichterung hatten sie noch ein freies Zimmer.
Grossmutter Prude kam vor mehr als 100 Jahren mit ihren Eltern nach Fort Davis. 1896 heiratete sie Andrew G. Prude und zusammen gründeten sie die Prude Ranch. John G. "Big Spurs" Prude war die zweite Generation auf der Prude Ranch. Er ritt während mehr als 90 Jahren jeden Tag auf der Ranch herum, um nach dem Rechten zu sehen.
John Robert and Betty Prude, die dritte Generation, dachten sich 1951 ein Programm aus, wonach Knaben und Mädchen Ranch- Aktivitäten und -Kameradschaften geniessen konnten. Die vierte und fünfte Generation Prude half, das Programm weiter zu entwickeln, so dass Erwachsene und Kinder diesen speziellen Platz in den Davis Mountains geniessen konnten.

So sehen die kleinen Gästehäuschen aus. Frank und ich hatten ein Zimmer in demjenigen oben auf dem Foto. Dieses Häuschen hatte drei separate Räume mit separatem Eingang.
Die Zimmer sind gross, aber eher einfach möbiliert.
Fernsehen und Telefon gibt es nicht in den Gästezimmern, aber natürlich hat jedes Zimmer auch ein eigenes Badezimmer.
Das ist die Aussicht von der kleinen Veranda unseres Zimmers.
Allerdings gab es um diese Tageszeit nichts zu essen auf der Prude Ranch, denn nicht nur musste man die Mahlzeiten zum Voraus bestellen, auch wurde zwischen den Mahlzeiten nicht gekocht. So mussten wir halt wieder ins Auto steigen und nach Fort Davis fahren. Inzwischen war es später Nachmittag und wir hatten nicht viel Hoffnung auf eine extravagante Mahlzeit (falls es so etwas in Fort Davis überhaupt je gab), aber wir entdeckten einen Hamburgerstand und noch nie hatte ein Hamburger mit French Fries (Pommes Frites) so gut geschmeckt!
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Zurück auf der Prude Ranch blieb mir dann noch genügend Zeit, vor Sonnenuntergang ein bisschen herumzuspazieren.
Auf dem Foto oben ist das alte Ranchhaus, in dem John Robert Prude und seine Frau Bettiann wohnen.
Das ist John Robert Prude. Er hatte sich mir ein paar Minuten vorher vorgestellt, meine Hand geschüttelt und mich gefragt ob ich auch wirklich alles hätte um meinen Aufenthalt auf seiner Ranch angenehm zu machen und wenn ich irgend etwas benötigte, sollte ich es ihm nur sagen. "Das Klima auf der Ranch ist so viel angenehmer als sonstwo in Texas," erklärte er mir, "weil wir 1600 Meter über der Meereshöhe sind und die Nächte fast immer kühl sind"
Später erfuhr ich dann, dass seine drei Söhne und die Tochter alle in der Nähe wohnen und oft auf die Ranch kommen um auszuhelfen. Aber geführt wird die Ranch von seiner Enkelin Kelly Prude.
John R. Prude hatte gute und schlechte Zeiten erlebt auf seiner Ranch. "Es gab (finanzielle) Kämpfe und Stress, aber die guten Tage sind zu zahlreich als dass ich sie zählen könnte."
Das patriotisch bemalte Gebäude fand ich bemerkenswert.
Das ist die Nurse's Station, das Häuschen in dem eine Krankenschwester die verletzten oder kranken Ranch Arbeiter oder Gäste pflegt.
West-Texas, Teil 9 von 13 Teilen
Oben auf dem Bild ist eine Century Plant (Agave americana) abgebildet.
Aus den dicken, blau-grünen Blättern am Boden wächst nach 10 bis 20 Jahren (nicht nach hundert Jahren wie der Name vermuten würde) ein riesiger Spargel-ähnlicher Stengel, der während mehreren Wochen grünlich-gelbe Blumen zur Schau stellt. Danach stirbt die Pflanze.
Die Pflanze oben ist eine Red Hot Poker (Kniphofia uvaria). Sie stammt ursprünglich aus Süd-Afrika, aber hat sich hier im Südwesten der USA sehr angepasst.
Die Blüte sieht aus wie ein Feuerhaken den man in heisser Kohle gelassen hat bis er rot war, deshalb der name Red Hot Poker (roter heisser Feuerhaken). Die Kolibris lieben diese Blumen.
Dieser kleine rote Vogel ist ein Vermilion Flycatcher (Pyrocephalus rubinus). Ich hatte schon vor einigen Monaten an einem anderen Ort in Texas versucht, ein Foto von ihm aus der Nähe zu schiessen, aber es ist mir auch nach stundenlangem Warten und Hoffen nicht gelungen. Nicht nur ist er klein, er ist auch sehr scheu. Auf der Ranch hatte ich aber einen Garten gesehen, in dem es einen kleinen Unterstand hatte, speziell gemacht um Vögel zu beobachten. Ich sagte mir, wenn ich morgens ganz früh aufstehen würde, könnte ich mich im Gebäude verstecken und ganz ruhig warten bis der hübsche Kerl näher käme.....
West-Texas, Teil 10 von 13 Teilen
Am nächsten Morgen war ich schon wieder früh auf denn - jetzt oder nie - war für mich die Gelegenheit gekommen, einen Vermillion Flycatcher zu fotografieren. Ich schlich im Halbdunkel in den Blumengarten und dort in dem kleinen Unterstand wartete ich - mehr oder weniger geduldig - auf meinen kleinen, roten Vogel.
Aber was sah ich denn da herumschwirren? Ein Kolibri! Das war eine freudige Überraschung, denn mit Kolibris hatte ich gar nicht gerechnet. Auf dem Foto auf der linken Seite der Blüte des Red Hot Pokers, ist ein Black-Chinned Hummingbird (Archilochus alexandri) zu erkennen. Er kommt von British Columbia im Westen von Kanada bis nach Mexiko vor. In Texas trifft man ihn nur im westlichen Teil des Staates an.
Frau Kolibri ruht sich auf einem Ast aus.
Das ist der Vermilion Flykatcher. Ich konnte gerade noch ein Foto von ihm schiessen, da hat er mich auch schon entdeckt und macht sich davon. Sein Rücken, seine Federn und der Schwanz sind braun-schwarz, aber der Kopf und der Unterteil seines Körpers sind flammend rot. Einer der spanischen Namen für diesen Vogel ist "brasita de fuego", oder "kleine Feuerkohle". Er ist im Südwesten der USA bis hinunter nach Argentinien zu Hause. Er sitzt gerne auf Ästen oder Umzäumungen, von wo er dann plötzlich in die Luft hinaus schiesst um fliegende Insekten zu fangen.
Die Arbeit auf der Ranch hatte natürlich schon lange begonnen. Ich denke, dass diese Pferde zusammengetrieben und gesattelt werden, weil ein paar Gäste einen Morgenritt unternehmen wollten. Auch war es Zeit fürs Frühstück im Speisesaal der Ranch, das wir natürlich am Abend vorher bestellt hatten. Mr. Prude war schon im Speisesaal und begrüsste die Hereinkommenden mit seiner typisch texanischen Gastfreundlichkeit.