TEXAS  Im Frühling 2004

Frühling in Ost-Texas, Teil 1 von 7 Teilen
 

Hoi zäme,

Mehr als 15.000 verschiedene Pflanzen wachsen in den USA und Kanada, wovon ungefähr 5000 in Texas heimisch sind.  Der Grund für diese Fülle an blühenden Pflanzen ist die enorme Grösse von Texas und dessen Vielfalt von natürlichen Kontrasten.  Von Osten nach Westen sind es mehr als 1200 Kilometer und von Norden nach Süden ungefähr 1300 Kilometer.  West-Texas ist das Land der Berge, aber auch mit riesigen Flächen von ausgedörrtem Boden.  Den Golf von Mexiko entlang findet man Prairien, Marschland, weissen Sand und kleine Inseln, wogegen in Nord-Texas rollende Prairien mit fruchtbarem Boden vorherrschen.  Der östliche Teil besteht aus sanften Hügeln, Seen und kleinen Weihern und Wäldern.  Der durchschnittliche Niederschlag pro Jahr in Orange am Golf von Mexiko zum Beispiel beträgt 148 cm, in El Paso in West-Texas 22 cm und in Nacogdoches, im Osten von Texas, 120 cm. 

 

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Das Ziel unserer zweitägigen Reise war Nacogdoches im Osten von Texas, wo Frank und ich hofften, nicht nur blühende Pflanzen zu bewundern, sondern auch noch mehr über die Geschichte des ältesten Städtchens in Texas zu lernen.

 

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Gleich als wir losfuhren, sahen wir die ersten Wiesenblumen, denn die blühen natürlich auch hier in Arlington, das in Nord-Texas zwischen Dallas und Fort Worth gelegen ist.  Die blauen Blumen auf dem Foto sind Bluebonnets (Lupinus texensis) und die roten sind Paintbrushes (Castilleja indivisa). 

 

 

 

 

 

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Das Bluebonnet  (Lupinus texensis) ist die Königin unter den Wiesenblumen in Texas und blüht von März bis Mai in Hülle und Fülle auf Wiesen und an Strassen- und Waldrändern.  Bluebonnet heisst Blaues Häubchen und man kann verstehen, dass die ersten Siedler der Blume diesen Namen gaben, da die Blüte eine Ähnlichkeit mit einem Häubchen hat. 

Die Indianer nannten das Bluebonnet auch Büffel-Klee, da sie dachten, die Büffel bevorzugten diese Blume zum Essen. Früher wurde sie auch oft Wolfs-Blume genannt, da man dachte, sie beraube die Erde ihrer Nahrung. Heute weiss man jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist und die Blume ausgezeichneter Dünger ist, da sie Stickstoff in die Erde abgibt.

 

 

 

 


Frühling in Ost-Texas, Teil 2 von 7 Teilen
 

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Die Indian Paintbrush  (Castilleja indivisa) ist eine der leuchtendsten, lebhaftesten Schaustellungen der Blumen auf den Texas-Wiesen.  Paint heisst Farbe und Brush heisst Pinsel.  Sie wächst in sandiger Erde und blüht von März bis Mai, ist aber am schönsten im April.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die leuchtenden Farben haben die folgende Legende inspiriert: 

Ein junger Indianer-Häuptling sass jeden Abend vor seinem Wigwam und beobachtete, wie die Farben des prächtigen Sonnenunterganges von Rosa zu Blutrot zu Gold wechselten und dann verblassten. Er wünschte sich so sehr, dass er fähig wäre, diese Schönheit durch ein gemaltes Bild einzufangen, aber er besass nur seine primitiven Farben für die Kriegsbemalungen und steife Pinsel, mit denen er solche Schattierungen nicht einfangen konnte. Jede Nacht, nachdem die wunderschönen Färbungen verblassten, ging er traurig und mit schwerem Herzen in sein Wigwam und betete zum Grossen Geist, ihm die Fähigkeit zu geben, die Schönheit des Sonnenunterganges einzufangen. 

Eines Abends, als er einen Sonnenuntergang beobachtete, der schöner war als alle, die er je zuvor bewundert hatte, hörte er eine Stimme, die ihm sagte, er solle auf den Boden schauen. Dort fand er eine anmutige Pflanze in der Form eines dünnen Pinsels, die feucht war mit der roten Farbe des Sonnenunterganges. Als er die Spitze der Pflanze an das zu bemalende Wildleder hielt, übertrug sich die Farbe problemlos. Mehr und mehr Pflanzen schossen aus der Erde, die tropften mit den Farben des Sonnenunterganges. Er arbeitete fieberhaft an seinem Gemälde, warf die gebrauchten Pinsel weg und pflückte den nächsten. Endlich war er zufrieden mit seinem Werk, denn es war eine genaue Kopie des Sonnenunterganges. Am nächsten Morgen sah er, dass die Pinsel, die er weggeworfen hatte, Wurzeln geschlagen und sich vermehrt und dabei die leuchtenden Farben der Paintbrush über das Land verbreitet hatten.

 

 
Frühling in Ost-Texas, Teil 3 von 7 Teilen

 

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Bald schon waren wir auf beiden Seiten der Strasse von Wald umgeben.  Unter vielen anderen wachsen hier in Ost-Texas Sweet Gums, deren Holz hauptsächlich für Fussböden und die Herstellung von Papier gebraucht wird, Hickory, Eichen und Pine Trees, eine Art Nadelbäume. 

 

 

 

 

 

 

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Die Wisteria (Wisteria macrostachya) ist eine wohlriechende Rebe, die im Osten von Texas ihr natürliches Vorkommen hat.  Die Pflanze gedeiht in Waldungen und an Bächen entlang.  Oft klettert sie auch an verlassenen Gebäuden hinauf. 

 

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Die Wisteria auf meinem Foto wuchs am Ufer eines Baches und war über mehrere Bäume hinaufgeklettert. Das sah dann so aus, als ob der Baum blühte. 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Frühling in Ost-Texas, Teil 4 von 7 Teilen

 

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Weiter ging es in Richtung Osten auf den fast verkehrsfreien Strassen.  Das Wetter war ideal; strahlender Himmel und nachts nur etwa 10 Grad, aber am Tag stieg das Thermometer auf 20 bis 25 Grad.

 

 

 

 

 

 

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Am frühen Nachmittag kamen wir in Nacogdoches an.  Das Wort ist ein richtiger Zungenbrecher; man spricht es "Näkodotsches" aus.

"Willkommen im historischen Nacogdoches", hiess es auf der Tafel am Eingang des Städtchens.  Alles, was mit Texas zusammenhängt, begann hier, denn es ist das älteste Städtchen unseres Staates. 

 

 

 

Natürlich waren die Indianer zuerst da, und zwar waren es Caddo-Indianer.  Das Städtchen ist nach einem von ihnen benannt, wie die folgende Legende erklärt:

 

Ein Caddo-Häuptling wohnte mit seiner Familie nahe dem Sabine River.  Der Sabine River markiert zum grossen Teil die Grenze zwischen den Staaten Louisiana und Texas.  Der Häuptling hatte Zwillingssöhne.  Als sie erwachsen waren, hatten sie den Wunsch, Führer ihrer eigenen Stämme zu sein.  Der Vater befahl dem einen Sohn, drei Tage gen Osten zu reiten, und dem anderen drei Tage gen Westen.  Derjenige, der sich in Richtung der untergehenden Sonne niederliess, hiess Nacogdoches.  Sein Bruder, der sich im Osten niederliess, hiess Natchitoches und gründete das gleichnamige Städtchen in Louisiana.  Die Strecke zwischen den beiden Ansiedlungen wurde zu einer oft benutzten Route und entwickelte sich zu einer Handelsstrasse.

 

 

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Nacogdoches blieb eine Caddo-Ansiedlung bis zum Jahre 1716.  Dann errichtete Spanien die Mission "Nuestra Señora de Guadalupe de los Nacogdoches" hier.  Das war die erste europäische Aktivität in dieser Gegend.  Das eigentliche Städtchen wurde aber erst 1779 gegründet, und zwar von Antonio Gil Y'Barbo, einem prominenten spanischen Händler, dessen Statue auf dem Foto zu sehen ist.

 

 

 

 

 

Antonio Y'Barbo entwickelte sich zum Führer der Ansiedlung und er war es, der die Vorschriften und Gesetze, unter welchen Nacogdoches regiert wurde, bestimmte.  Er war es auch, der die Stadt plante, und nach seinen Entwürfen wurden die Strassen angelegt.  

 

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Auf dem Foto sieht man den "Plaza Principal", einen öffentlichen Platz in der Stadtmitte, auf dem sich die Einwohner während des 19. Jahrhunderts trafen, um Waren zu kaufen oder zu verkaufen; es war also ein Marktplatz.  1917 wurde ein Postgebäude mitten auf dem Plaza gebaut.  Auf dem Foto ist es das Gebäude ganz links.  Später wurde das Postgebäude in eine öffentliche Bibliothek umgebaut.  1999 wurde es jedoch total renoviert und jetzt dient es als Visitors Center. 

 

 

 
 

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