Mit dem Amtrak von Fort Worth nach Mineola,

 

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen."  Es muss ja nicht immer ein langer, abenteuerlicher Trip sein; man kann auch einen kleinen Ausflug in die nähere Umgebung machen und "was erzählen". Frank und ich entschlossen uns, wieder einmal mit dem Zug zu fahren, und zwar mit dem Amtrak von Fort Worth nach Mineola.

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Durch das Internet fand ich schnell heraus, dass nur ein Mal am Tag ein Zug von Fort Worth nach Mineola fährt und dass dieser Zug am Abend ankommt und wir die Nacht dort verbringen müssten und erst am nächsten Mittag wieder zurückreisen könnten. Also musste ich auch noch eine Unterkunft nicht allzu weit weg vom Bahnhof finden.  Nach einigem Hin und Her entschlossen Frank und ich uns für das Munzesheimer Manor, das Reisenden Zimmer mit Frühstück anbietet.

 

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Nach dem Fahrplan sollte der Amtrak um 15:20 Uhr in Fort Worth abfahren.  Wir waren natürlich pünktlich auf dem Perron, aber unser Zug liess auf sich warten.  Ein langer Güterzug donnerte während unseres Wartens auf einem Gleis weiter hinten vorbei.  Alle angehängten Wagen waren leer, denn dieser Zug hatte Kohle vom Norden der USA zum Golf von Mexiko gebracht und war nun wieder auf dem Rückweg.  

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Endlich - mit 50 Minuten Verspätung - fuhr unser Zug in den Bahnhof ein.  Allerdings kann man dem Amtrak die Verspätung verzeihen, wenn man bedenkt, dass er von Los Angeles kam und schon seit fast zwei Tagen unterwegs war.

 

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Und das war unser letzter Blick auf Fort Worth, als wir ostwärts Richtung Dallas fuhren.

 

 

 

 

 

 

 

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Ich begab mich natürlich sofort in den Aussichtswagen mit den grossen Fenstern, von wo aus ich die vorübergleitende Landschaft herrlich geniessen konnte. 

 

 

 

Die Fahrt von Fort Worth nach Dallas, unserem nächsten Stopp, dauerte eine Stunde.  Das Gleis führte bis auf einen Kilometer an unserem Haus in Arlington vorbei.  Aus irgendeinem politischen Grund hält der Amtrak nicht in unserer 330.000 Seelen zählenden Stadt.

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Auf dem Foto links ist Dallas im Licht der untergehenden Sonne zu sehen.  Dallas ist eine Stadt von über einer Million Einwohnern, am Ufer des Trinity Flusses gelegen.  Sie ist nicht die grösste Stadt in Texas, aber trotzdem ist sie international bekannt wegen der Fernsehserie "Dallas", die von Ölmillionären und Rinderbaronen handelt.  Leider ist Dallas auch bekannt als die Stadt, in der John F. Kennedy, der 35. Präsident der USA, am 22. November 1963 ermordet wurde. 

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Das sind das Hyatt Hotel in der Nähe des Bahnhofes und der Reunion Tower.  Im  Reunion Tower befinden sich oben in der Kugel ein sich um die eigene Achse drehendes Restaurant und ein Observation Deck.


 

 

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Das ist die Union Station, der Bahnhof von Dallas, errichtet 1916 und vor ein paar Jahren renoviert.  Nicht nur der Amtrak hält hier, sondern auch die Dart Trains (Vorortzüge von Dallas) und der Trinity Railway Express, der Dallas mit Fort Worth verbindet, machen hier Halt.

 

 

Leider wurde es schnell dunkel und wir konnten nicht mehr viel sehen auf der Weiterfahrt.  Natürlich befand sich ein Speisewagen im Zug, in dem man ganze Mahlzeiten essen konnte, aber ich fand auch eine kleine Snackbar, wo wir uns Sandwiches und ein Getränk kaufen konnten.  So verbrachten wir die anderthalb Stunden Zugfahrt von Dallas nach Mineola mit Essen und Lesen.

 

 

Etwa ein halbes Dutzend Personen stiegen in Mineola aus, aber die verschwanden alle schnell, da sie wussten, wo sie hingingen, oder da sie abgeholt wurden.  Frank und ich standen etwas verloren auf dem schlecht beleuchteten Bahnhof herum, denn obwohl ich einen Stadtplan in meinen Händen hielt, wusste ich im Moment nicht, in welche Richtung wir gehen mussten.  Plötzlich hörten wir jemanden fragen: "Seid ihr die Morris Famile?".  Es war der Besitzer des Hauses, in dem wir ein Zimmer reserviert hatten.  Er hatte sich Gedanken gemacht, ob wir den Weg finden würden, und sich entschlossen, uns am Bahnhof abzuholen. 

 

 

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Mineola, etwa 120 Kilometer östlich von Dallas gelegen, ist kaum in einem Touristen-Buch über Texas zu finden.  Aber es ist ein charmantes Städtchen mit 4.550 Einwohnern, das stolz auf seine Vergangenheit ist und weiss, dass man die Zukunft planen muss.  Das war aber nicht immer so.  Erst als ein grosses Warenhaus sich im Zentrum niederlassen wollte, begannen die Einwohner sich Gedanken über das Aussehen ihres Städtchens zu machen.  Heute arbeitet die ganze Gemeinde zusammen und investierte bis anhin mehr als sechs Millionen Dollar, um Gebäude in der Innenstadt zu restaurieren. 

 

 

 

 

 

 

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Wenn man ankommt, hat man gleich das Gefühl, dass man einen Schritt zurück gemacht hat in die Vergangenheit.  Viele Strassen haben noch Kopfsteinpflaster.

 

 

 

 

 

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Alte Geschäftsgebäude wurden liebevoll restauriert und die während Jahren leer stehenden Gebäude sind wieder mit Läden und Banken und sonstigen Geschäften besetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

bildIm Zentrum des Städtchens findet man viele kleine Spezialitäten-Läden, Cafés, Restaurants und ein Eisenbahnmuseum.  Auf meinen Fotos sieht man nicht viele Menschen auf den Gehsteigen, das kam daher, dass ich sehr früh am Morgen schon mit meiner Kamera unterwegs war, denn um elf Uhr mussten wir ja schon wieder am Bahnhof sein.  Es war ein kalter Dezembertag, die Temperatur war etwa um den Gefrierpunkt und ein eisiger Wind pfiff um die Hausecken.

 

 

 

 

 

 

bildDie Schienenstränge der "Northern" und der "Texas Pacific Railroads" (Eisenbahnen) wurden  in 1873 durch Mineola verlegt und brachten Aufschwung ins Städtchen. 

 

 

 

 

 

Diese Caboose auf dem Foto oben steht neben dem Bahnhof in Mineola.  Eine Caboose war früher an jeden Frachtzug am Ende angehängt und darin befand sich der Mann, der für den Zug verantwortlich war.  Er war auch derjenige, der dauernd den Zug beobachten musste, damit keine Hobos aufsprangen, um gratis mitzufahren.  Ein Hobo ist so etwas wie ein Landstreicher oder Gelegenheitsarbeiter.  Heute werden keine Cabooses mehr an die Frachtzügen angehängt

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Der hübsche Pavillon, der auch in der Nähe des Bahnhofes steht, ist nachts mit vielen kleinen Lichtern beleuchtet.

 

 

 

 

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Das ehemalige Beckham Hotel wurde 1927 gebaut und steht gegenüber dem Bahnhof.  Früher bot es Passagieren und Zugangestellten Unterkunft, aber jetzt ist es leider geschlossen.  In den 1920er und 1930er Jahren sollen in dem Ballroom im oberen Stock oft ganze Orchester zum Tanz aufgespielt haben.  Auch zirkulieren Gerüchte über Alkoholschmuggel während der Prohibition, über Geister und über Pokerspiele bis in die späte Nacht hinein.  Im Parterre befinden sich kleine Läden und ein Café.

 

 

 

 

 

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Nicht nur Geschäfte wurden renoviert im Zentrum des Städtchens, nein, auch private Häuser wurden sorgfältig restauriert, wie zum Beispiel das Munzesheimer Manor, in dem Frank und ich die Nacht verbrachten.

 

 

Dieses Haus wurde um 1900 von einem deutschen Einwanderer im viktorianischen Stil gebaut.  Viele prominente Mineola-Familien haben hier

seither gewohnt.  Die jetzigen Besitzer, Bob und Sherry Murray, kauften das Haus 1986.  Damals war es leer und dem Zerfall nahe und Bob und Sherry haben vier Jahre damit verbracht, es mit Hilfe von Handwerkern sorgfältig zu renovieren.   Die Räume sind gross und im ganzen Haus gibt es unter anderem zwei Wohnzimmer, ein grosses Esszimmer und vier Gästezimmer, jedes mit einem eigenen Badezimmer.  Auch die sieben Cheminées, die zum Teil zugemauert waren, wurden wieder hergerichtet.  Alle Zimmer sind mit Möbeln ausgestattet, die aus der Zeit um 1900 stammen.  Auf der "Wrap around Porch", einer Veranda, die ganz ums Haus herum gebaut ist, laden gemütliche Schaukel- und Korbstühle zum Verweilen ein. 

 

bildZusätzlich zu den vier Gästezimmern im Haus gibt es noch drei kleine Häuschen auf dem Grundstück, die auch als Gästezimmer vermietet werden.  Frank und ich verbrachten die Nacht in diesem kleinen Häuschen auf dem Foto, das zwar nicht so alt wie das Haupthaus ist, aber auch im alten Stil gebaut worden war.

 

 

 

 

 

                                                                                                          

 

bildDas Innere ist ebenfalls mit antiken Möbeln ausgestattet.  Aber auf solche Annehmlichkeiten wie Badezimmer, Heizung, Aircondition, Kühlschrank und Mikrowellenofen mussten wir nicht verzichten.

 

 

 

 

 

 

 

bildAls wir ankamen, brannte schon ein Feuer im Ofen.  Die Besitzer des Hauses drückten uns einen Autoschlüssel in die Hand, denn sie hätten noch ein zweites Auto und möchten, dass wir es benutzen, da es zu kalt sei, um draussen herumzuspazieren.  Wir hatten jedoch das Gefühl, dass wir lange genug im Zug gesessen waren und ein kleiner Spaziergang uns gut tun würde. 

 

 

 

 

 

 

bildIn den vielen Läden in Mineola kann man fast alles kaufen, was das Herz begehrt:  Puppen, Uhren, Kleider, Möbel, Glaswaren und Souvenirs.  Mineola ist inzwischen auch bekannt für seine kulturellen Aktivitäten.  Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Fotografen, Schauspieler und andere Künstler haben hier ein kulturelles Mekka geschaffen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Selbst die Abfallkübel in Mineola sind hübsch bemalt.

 

 

 

 

 

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Aber leider verging die Zeit viel zu schnell und wir mussten wieder zum Bahnhof gehen.  Wir wollten ja den Zug nicht verpassen, denn er kommt nur einmal am Tag.  Das alte Gebäude links auf dem obigen Foto ist der unbemannte Bahnhof.  Aber wenigstens war der Warteraum offen, sodass wir Schutz vor dem kalten Wind fanden.  Das alte Bahnhofsgebäude ist das Nächste auf der Liste der Gemeinde, um renoviert zu werden.

 

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Und hier ist schon der Amtrak mit nur 10 Minuten Verspätung.  Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass er von Chicago kam und schon seit dem vorigen Tag unterwegs war. 

 

Wie gesagt, wenn man "eine Reise tut, dann kann man was erzählen" - und das war unser kleiner, beinahe ereignisloser, aber sehr entspannender und gemütlicher Trip mit dem Amtrak von Fort Worth nach Mineola.

 

 

 

 

 

Das war es erst einmal wieder von unserer Lieben bekannten ,die uns immer mit direkt Berichten aus Texas versorgt.

Herzliche Grüsse aus Texas.

 

Irma und Frank Morris        bild           bild
Arlington, Texas

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